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Muslimische Seelsorge in öffentlichen Institutionen

Ein junges Angebot

Muslimische Seelsorge in der Schweiz ist ein Angebot, das aus einem Bedarf gewachsen ist. Im Islam gehört die Sorge um die Kranken und Schwachen zu den religiösen Grundpflichten eines jeden Gläubigen. In mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern übernahmen in der Regel Familienangehörige und Bekannte im Krankheitsfall oder in Krisensituationen die Fürsorge um die Betroffenen. Während der Begriff «Seelsorge» christlich geprägt ist und sich Konzepte von Seelsorge im Christentum über die Jahrhunderte entwickelt haben, ist im Islam das neue Tätigkeitsfeld erst im Entstehen begriffen. In Europa wie auch in muslimischen Ländern hat sich in den letzten zwanzig Jahren eine Nachfrage nach einem professionalisierten Angebot an muslimischer Seelsorge als hybrides Modell heutiger globaler Gesellschaften entwickelt und im deutsch- und angelsächsischen Sprachraum eine erste akademische und konzeptionelle Fundierung von islamischer Seelsorge herausgebildet.

Erste Entwicklungen

In der Schweiz ist das Seelsorgeangebot in öffentlichen Institutionen rechtlich auf kantonaler Ebene geregelt. Die kantonal anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften, meist die katholischen und reformierten Landeskirchen, sind dabei für die Sicherstellung und Finanzierung des Angebots zuständig. Auf Wunsch von Betroffenen dürfen auch Vertreter nicht-anerkannter Religionsgemeinschaften für religiöse Dienste hinzugezogenen werden. Das Recht auf Seelsorge im Spital ist in den Kantonalen Spitalgesetzesverordnungen geregelt. Ein Bundesgerichtsentscheid von 1987 hat erwirkt, dass Insassen muslimischen Glaubens ihre Religion im Rahmen des Möglichen ausüben und zum Beispiel einen Imam für das Freitagsgebets beiziehen dürfen. Einige Spitäler und Gefängnisse haben Listen mit Kontaktdaten von Imamen und muslimischen Vereinen erstellt, welche bei Bedarf, meist in Not- und Krisensituationen, gerufen werden. Diese Praxis wird schon seit längerem als nicht mehr ausreichend erfahren. Über Imame hinaus sind auch entsprechend qualifizierte Frauen im Bereich der muslimischen Seelsorge engagiert. Mit der Intensivierung der Zusammenarbeit von öffentlichen Institutionen und muslimischen Akteuren rückte zudem die Frage nach einer Zentralisierung und Qualitätssicherung des Angebots in den Vordergrund. Verschiedene öffentliche Institutionen und Kantone haben deshalb Schritte hin zu einem regelmässigen und von in Grundlagen qualifizierten Seelsorgenden geleisteten Angebot eingeleitet.

Weiterbildung

Seit 2017 sind verschiedene Weiterbildungsangebote an den Universitäten Freiburg, Bern und Lausanne entstanden. Sie orientieren sich an den rechtlichen Strukturen der Kantone, an den Bedürfnissen der öffentlichen Institutionen und an dem bereits bestehenden Seelsorgeangebot. Dabei wird diskutiert, ob es ein spezifisches Weiterbildungsangeboten für muslimische-religiöse Betreuungspersonen braucht oder ob ein überkonfessionelles Angebot passender ist.

Bedarf in den Institutionen

Heute nehmen verschiedene öffentliche Einrichtungen muslimische Seelsorgedienste in Anspruch. Spitäler, Strafvollzugsanstalten und Asylzentren sind drei Beispiele dafür. Obwohl das Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften auf kantonaler Ebene geregelt ist, hängen die Regelung der Zusammenarbeit, die Form des Angebots und deren Organisation nicht nur von den Kantonen, sondern innerhalb eines Kantons auch von den unterschiedlichen öffentlichen Institutionen selbst ab. Die seelsorgerlichen Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten im Spital, von Personen in Gewahrsam oder von Personen im Asylverfahren sind sehr unterschiedlich. Hinzu kommen institutionelle Spezifika wie beispielsweise Sicherheitsanforderungen oder der Schutz von vulnerablen Personen. Dies verlangt nach einer Vielzahl von auf die Institutionen zugeschnittenen Antworten.

Im Spital ist muslimische Seelsorge auf Anfrage möglich.

Gefangene haben das Recht einen Imam zu sehen.

Im Bundesasylzentrum Juch sind zwei Personen als muslimische Seelsorgende zu insgesamt 70% beschäftigt.